Literatur-Tour

Die Literatur-Tour führt alle Radfreundinnen und Radfreunde auf eine genussvolle Radreise zu Dichter- und Denkerspuren.

Bei unseren Partnern - Museen, Gastronomie- und Übernachtungsbetrieben, Theatern und Tourist-Informationen - lohnt sich ein Besuch, um mehr über die Geistesgrößen zu erfahren, neue Eindrücke zu gewinnen und natürlich um wertvolle Hinweise für das Gewinnspiel zu bekommen.

Literatur-Erlebnisstationen
Bücherbäume, Wirkungsstätten berühmter Dicher, Denker und Schreiber, Museen, Theater und viele mehr ... die Erlebnisstationen machen das Thema Literatur mit dem Rad hautnah erlebbar.

Interaktive Rad-Tourenkarte
Planen Sie Ihre Radtour in den .tübinger um:welten. Hier finden Sie eine digitale Wegbeschreibung, GPS-Daten und viele weitere Informationen.


Kreissparkasse Tübingen
Wir bedanken uns herzlich bei der Kreissparkasse Tübingen, die als Sponsor der Literatur-Tour das Projekt ".tübinger um:welten"  der Tourismusförderung des Landkreises Tübingen unterstützt.

 

Eine Wegbeschreibung mit Tiefe und literarischer Verknüpfung von Bernd Möbs, Stuttgart:
Balsam für gequälte Herzen: Das Goldersbachtal und Bebenhausen

Von Tübingen radeln wir entlang des Neckars, bis wir in Tübingen-Lustnau von Neckar abbiegen und das Goldersbachtal erreichen. Der große Sohn Tübingens, der Dichter Ludwig Uhland (1787 – 1862), fand im Goldersbachtal einstmals Balsam für sein gequältes Herz. Vielleicht ergeht es Ihnen auf der Tour ja ähnlich? Als er das dem Goldersbachtal gewidmete Gedicht ›Das Tal‹ im Jahre 1811 schrieb, war er mit seinem Leben kreuzunglücklich. Immer noch von Beruf ›Sohn‹, lag er seinem Vater weiterhin auf der Tasche, denn die in Tübingen eröffnete Anwaltskanzlei lief nicht. Also nichts wie weg ins Goldersbachtal: »Es duftet wieder alte Liebe, / Es grünet wieder alte Lust; / Ja selbst die alten Liedertriebe / Beleben diese kalte Brust. /  Natur! wohl braucht es solcher Stunden, / So innig und so liebevoll, / Wenn dieses arme Herz gesunden, / Das welkende genesen soll.«  Weiter geht es nach Bebenhausen. Im Jahre 1863 kam der Dichter und pensionierte Pfarrer Eduard Mörike (1804 – 1875) mit seiner Schwester und seiner Tochter Marie sieben Wochen hierhin, um sich in der Abgeschiedenheit des Klosters und des angrenzenden Dorfes zu erholen. Er dichtete hier einen Gedichtzyklus in klassischem Versmaß, die ›Bilder aus Bebenhausen‹. Setzen Sie sich bei Ihrer Radtour doch einmal ins Gras und lassen sich davon ein paar Zeilen »im Ohr« zergehen: »Drei Uhr schlägt es im Kloster. Wie klar durch die schwülige Stille / Gleitet herüber zum Waldrande mit Beben der Schall, / Wo er lieblich zerfließt, in der Biene Gesumm sich mischend, /Das mich Ruhenden hier unter den Tannen umgibt.« 1874 war er wieder hier zu Besuch bei der in Bebenhausen lebenden Scherenschnittkünstlerin Luise Walther. In den 1950er Jahren tagte übrigens hier zwei Mal die berühmt-berüchtigte Schriftstellergruppe ›Gruppe 47‹.

 

Ganz Tübingen ist – eine Universität

Zurück nach Tübingen gelangen wir über das Heuberger Tor durch das Käsenbachtal, vorbei am geografischen Mittelpunkt Baden-Württembergs. Die 1477 gegründete Eberhard-Karls-Universität war das folgenreichste Ereignis für die Stadt. Bis heute bestimmt die »Alma mater« Wohl und Wehe Tübingens. Doch nicht nur das: Der württembergische Herzog Ulrich stiftete 1536 ein Studien- und Wohnhaus und ein Stipendium für angehende Theologen, das Tübinger Stift. Bis heute bevölkern die altehrwürdigen Räume des ehemaligen Augustinerklosters  Studenten, die das evangelische Pfarramt oder das Lehramt an Gymnasien anstreben, seit 1968 sogar auch Frauen! Allerdings sind die »Theologen auf Abwegen« meist berühmter als die Theologen selbst, sei es der Astronom Johannes Kepler, die Dichter Friedrich Hölderlin, Wilhelm Hauff, Eduard Mörike, Hermann Kurz, Wilhelm Waiblinger oder die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Joseph Schelling.

 

Haselnusspfarrer und andere Kuriositäten

Die ehemals in ganz Deutschland bekannte Tübinger Erfolgsschriftstellerin des 19. Jahrhunderts, Ottilie Wildermuth (1817 – 1877), hatte in den 1850er Jahren eine kleine Sammlung einer »merkwürdigen Spezies« literarisch unter die Lupe genommen: evangelische Pfarrer. Das Ergebnis hieß ›Schwäbische Pfarrhäuser‹. Da gibt es das freundliche, das töchterreiche oder das genügsame Pfarrhaus. Der skurrilste Pfarrer, der Haselnusspfarrer, sitzt tagtäglich in seiner Studierstube. Was macht er da eigentlich? Studieren wohl kaum, »denn […] seine Predigten mahnten an die Gebeträder der Buddhisten, welche dieselbe Leier mechanisch abrollen.« Hatte er sich überhaupt nicht vorbereitet, so predigte er nicht nach dem Verlesen des Evangeliums, sondern verkündete: »Dieses Evangelium ist so und so schön, daß ich’s eurer Liebe noch einmal vorlesen muß.« Abends trank er, so die überraschende Entdeckung des neuen Vikars, jeden Abend ordentlich Wein in seiner Stube, mampfte dabei unentwegt Haselnüsse und brummte stumpfsinnig auf seiner Bassgeige herum. Als das Buch erschien, waren die Leser begeistert und die Herren Pfarrer beleidigt. Auf der Tübinger Platanenallee findet sich ein Denkmal für die gebürtige Rottenburgerin, die in Marbach aufwuchs und mit ihrem Mann nach Tübingen zog.

 

Ein Mann wie eine starke Eiche und eine wohlhabende Partie

Ottilie Wildermuth war mit dem Dichter Ludwig Uhland befreundet. Auch er, nicht nur die Pfarrer, musste ihre Späße aushalten: »[D]em Uhland […] fabrizierte ich ein schauerlich wüstes altdeutsches Lied als neuaufgefundenen Gesang Wolframs von Eschenbach, weiß nicht, ob der Spaß Erfolg haben wird«, schrieb sie in einem Brief. Als der berühmte Dichter, Sprachforscher und Politiker 1820 Emilie Uhland heiratete, war er mit einem Schlag seine Geldsorgen los und konnte sich ausgiebig seiner Dichtung, seinen sprachwissenschaftlichen Studien und seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter in Stuttgart widmen. Mit seinem Einsatz für Freiheit, Demokratie und der deutschen Einheit sowie seinen populären, volksliedhaften Gedichten wurde er im 19. Jahrhundert verehrt wie Goethe und Schiller. Als das Ludwig-Uhland-Denkmal in der Uhlandstraße am Platz der Stadt Monthey 1873 eingeweiht wurde, umrahmten es neunzig Ehrenjungfrauen in schwarz-rot-goldenen Schärpen. Uhland hätte sich beschwert, war ihm die Farbreihung Schwarz-Rot-Gold doch wesentlich lieber: Ein autoritäres, von oben geschaffenes Reich hätte er niemals gebilligt. Zum Glück war er seit elf Jahren tot und konnte sich nicht mehr beschweren.

 

»Dr Hölderlin isch et verruckt gwäh«

Lange Zeit stand am Hölderlin-Turm, Bursagasse 6: »Der Hölderlin isch et verruckt gwä«. Stimmt das? Kann denn ein Verrückter immer noch Gedichte schreiben? Nach vielen literarischen, politischen und persönlichen Niederlagen wurde Friedrich Hölderlin (1770 – 1843), einer der größten Dichter Deutschlands, vom Schreinermeister Zimmer 1807 in sein neu gekauftes Haus aufgenommen. Im damaligen Autenriethschen Klinikum gegenüber konnte man ihm nicht mehr helfen. Er schrieb in seinem karg eingerichteten Asyl im ersten Stock weiterhin gereimte Gedichte, darunter viele Jahreszeitengedichte. Als der Schreinermeister ihm einmal den Wunsch verweigerte, ihm einen Tempel aus Holz zu bauen, antwortete Hölderlin: »Ach, ich bin doch so ein armer Mensch!« und schrieb folgende Zeilen auf ein Brett:  »Die Linien des Lebens sind verschieden, / Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen. / Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen / Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.« Oft lag er apathisch im Bett oder durchmaß stundenlang den langen Gang im Erdgeschoss. Manchmal hatte er tagelang Krämpfe und schrie und tobte. Aus ganz Deutschland reisten jedoch Gäste an, um ihn zu sehen. Eduard Mörike kam mit seinem Studienfreund, dem Dichter Wilhelm Waiblinger (1804 –1830), der die erste Hölderlin-Biografie schrieb. Hermann Hesse hat über die Begegnung der Drei die schöne Erzählung ›Im Presselschen Gartenhaus‹ geschrieben. Nur eine Frau kam bis zu ihrem Tod nicht aus Nürtingen zu Besuch nach Tübingen: Hölderlins Mutter. Hölderlin hatte seinen einzigen Roman ›Hyperion‹ bei dem großen Verleger Johann Friedrich von Cotta (1764 – 1832) veröffentlicht. Bevor Cotta 1810 nach Stuttgart umzog, hatte der Cotta-Verlag seinen Sitz in Tübingen in der Münzgasse 15. Hier besuchte 1797 auch Johann Wolfgang von Goethe seinen Verleger.

 

Saufen, Dichten, Staub schlucken

Bunt, ausgelassen und trinkfreudig geht es in der in Tübingen spielenden Erzählung ›Die Novembernacht‹ (1901) von Hermann Hesse (1877 – 1962) zu: Der Examenskandidat Otto Aber und der Dichter Hermann Lauscher laufen nachts über die Tübinger Platanenallee. Lauscher zieht eine »bauchige Benediktinerflasche« aus der Manteltasche und reicht sie seinem Kumpan. »›Der letzte Schluck!‹ ruft dieser und schwenkt die Flasche gegen das jenseits des Flusses ragende Stift. ›Prosit Stift!‹« So trieb es auch des Öfteren der Autor selbst, als er von 1895 bis 1898

seine Lehre als Buchhändler in Tübingen in der 1823 gegründeten Buchhandlung Heckenhauer am Holzmarkt 5 absolvierte. Heute findet sich hier noch das Antiquariat; ein Museum wird künftig an die Zeit Hesses in Tübingen erinnern. »Das Staubschlucken und Geldzählen macht einen zu einem elenden Kerl«, schreibt er 1896 über seine Buchhändlerlehre an seine Mutter. Da waren die Ausflüge und das gesellige Beisammensein in dem Dichterclub »Petit Cénacle« bei Bier und Wein ein willkommener Ausgleich. Bis Juli 1899 arbeitete Hesse noch bei Heckenhauer, veröffentlichte einen ersten Gedichtband und eine Prosaskizze  und zog dann nach Basel um. Auch »lebende Dichter« arbeiteten zuweilen bei Heckenhauer: Kay Borowsky, 1943 geboren, Dichter, Schriftsteller und ein großer Übersetzer von russischer und französischer Lyrik war dort von 1978 bis 2006 tätig.


Ein Schiff namens Esperanza und ein Fahrrad mit Schriftsteller

Kay Borowsky übernahm die Wohnung von Fred von Hoerschelmann (1901 – 1976) in Derendingen. Letzterer war einer der gefragtesten Hörspielautoren Deutschlands nach dem Krieg. Vorher wohnte von Hoerschelmann am Lustnauer Tor in der Doblerstraße 4. In seinem bekanntesten Hörspiel ›Das Schiff Esperanza‹ kassiert ein korrupter Schiffskapitän von illegalen Auswanderern hohe Summen für eine Überfahrt nach Südamerika. Aber anstatt sie ans Land zu bringen, lässt er sie auf einer Sandbank verdursten. Kein Schifffahrtsdrama, aber eine »Fahrradfarce eines Politikers« schrieb 2010 der in Tübingen lebende Autor und Dramatiker Joachim Zelter. In seiner Satire ›Der Ministerpräsident‹ muss Landesvater Claus Urspring, der nach einem Autounfall sein Gedächtnis verloren hatte, vor der kommenden Landtagswahl durch das ganze Land zu sämtlichen Wahlkampfveranstaltungen radeln, damit die Wähler sein unfallbedingtes Humpeln nicht bemerken. Begleitet wird dies von dem Schwur, nicht eher vom Rad zu steigen, bis der CO2-Ausstoß in Baden-Württemberg um zwanzig Prozent reduziert sei. Das wäre doch eigentlich etwas für den aktuellen grünen Ministerpräsidenten oder Boris Palmer.

 

112 Pfarrer und 170 Professoren »friedlich« vereint

Nach den Vorstellungen des damaligen Oberamtsarztes Gotthold Immanuel Jakob Uhlands, einem Onkel Ludwig Uhlands, wurde 1829 der Tübinger Stadtfriedhof, Gmelinstraße 20,  angelegt. Hier kann man wie in einem Garten der Erinnerung die großen unsterblichen Geister der Stadt und ihre Grabstätten besuchen, so zum Beispiel Friedrich Hölderlin, Ludwig Uhland, Ottilie Wildermuth oder den in Reutlingen geborenen Schriftsteller Hermann Kurt und seine Tochter Isolde. Nicht nur Dichter liegen dort begraben, sondern sage und schreibe 170 Professoren und 112 Pfarrer. Das ehemalige Aufseherhaus des Friedhofs beherbergt dafür einmal im Jahr für etwa drei Monate etwas ausgesprochen Lebendiges: den Tübinger Stadtschreiber. Dieses Stipendium existiert seit 2008, seit 2012 richtet es sich ausschließlich an Lyrikerinnen und Lyriker.

 

Luftig wie ein leichter Kahn auf des Hügels grüner Welle: Die Wurmlinger Kapelle

Möchten Sie auf unserer Radtour womöglich auch zum Dichter werden? Dazu ist der Anstieg zur Wurmlinger Kapelle die beste Gelegenheit. Man besteigt einen freistehenden Hügel, schwingt sich selbst fast wie ein Adler in die Lüfte und erhebt sich über die Niederungen des Alltags. Und erst der Rundumblick! Das regt zum Schwärmen und zum Träumen an: »Luftig, wie ein leichter Kahn, / Auf des Hügels grüner Welle / Schwebt sie lächelnd himmelan, / Dort die friedliche Kapelle«, dichtete der österreichische Dichter Nikolaus Lenau (1802 – 1850). Er hatte 1831 mit den Dichterfreunden Ludwig Uhland und Karl Mayer einen Ausflug dorthin gemacht. Falls Sie also losdichten wollen, haben Sie schwere Konkurrenz. Und Ludwig Uhland selbst hatte schon im Alter von 18 Jahren Maßstäbe gesetzt mit dem Gedicht ›Die Kapelle‹: »Droben stehet die Kapelle / Schauet still ins Tal hinab. / Drunten singt bei Wies’ und Quelle / Froh und hell der Hirtenknab’.«

Die fünf großen Dichter Rottenburgs - vereint in einer Person

Um an den großen Dichter Rottenburgs zu erinnern, postiert man sich am besten dahin, wo »[en] Roate’burg a’r Ontre’ Bruck« der heilige Nepomuk steht, auf der Josef-Eberle-Brücke. Manch eine Stadt hat nur einen Dichter oder gar keinen, Rottenburg hat derer fünf: »Sebastian Blau« schreibt Mundart, »Tyll« schreibt satirische Gedichte und Glossen, »Iosephus Apellus« lateinische Verse, »Peter Squenz«  Reime in barocker Manier und der »alte Wang« Chinoiserien. Und alle heißen eigentlich Josef Eberle (1901 – 1986)! Mit fünf »PS«, also fünf Pseudonymen, fuhr Eberle durch die Dichterwelt und hat nachhaltige Spuren hinterlassen, am meisten freilich mit seinen schwäbischen Gedichten. In einem seiner bekanntesten wird der heilige Nepomuk um allen möglichen Beistand angerufen, beim Schwimmen, Baden und beim Hochwasser. Das soll aber, wenn überhaupt, erst bei den Tübinger Weinbauern, ausbrechen, denn: »en deane ihren saure’ Wei’ / därf wohl e’ bißle Wasser nei’/  – und evangelisch send se ao…« Geboren am Marktplatz, Königstraße 18, war Eberle zunächst Buchhändler – die Ausbildung machte er wie Hermann Hesse bei Heckenhauer in Tübingen und wurde Lektor beim Südfunk Stuttgart. Schließlich kommt der Coup: Er wird 1945 Mitherausgeber und schließlich alleiniger geschäftsführender Herausgeber der Stuttgarter Zeitung. Und dann noch der nächste Streich: Eberle kaufte das Archiv des berühmten Cotta-Verlags und vermachte es dem Schiller-Nationalmuseum. In Rottenburg ermöglichte er durch eine große Geldsumme den Ausbau des Antiken-Museums zum neuen Römischen Stadtmuseum »Sumelocenna«. Auch Dichter sind ab und zu etwas nütze…

Am Neckar entlang - ein Gedicht!

Der Neckar mit seinen Zuflüssen prägt die Landschaft Württembergs und durchzieht sie wie eine Lebensader. Kein Wunder, dass er ist auch bedichtet wurde. Friedrich Hölderlin, der in den drei Neckarstädten Lauffen, Nürtingen und Tübingen prägende Lebensphasen verbrachte, schwärmte in dem Gedicht ›Der Neckar‹: » In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf  /  Zum Leben, deine Wellen umspielten mich, /Und all der holden Hügel, die dich / Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.« Unser Rottenburger Dichtercleverle Josef Eberle dichtet zum Thema ›D’r Necker‹ etwas salopper: »Ond zur Täufete ghaöts Kendle,/ on zom Gaigel ghaöt dr Trompf,/ on dr Necker ghaöt ens Ländle / als sei’ Heazstück ond Triompf.« Am Ende des Gedichts beschreibt Eberle dann das jämmerliche Ende des Neckars: »Soweit wär älles reacht und schö. / Was aber tuat dear Stromer? / r lauft schnurstracks ens Badisch nei’ / ond selt – vor lauter Jomer – / versäuft r se em Rhei’!«

 

Dichtergelage bei Brot und Brot, Sauerampfer und Löwenzahn in Hirschau

Wenn Sie nun auf unserem Weg Hirschau besuchen, machen Sie es ähnlich wie der Schriftsteller und Jugendbuchautor Peter Härtling in den 1950er Jahren. Er kam allerdings zu Fuß vom Tübinger Bahnhof und wurde von dem Niederrhein geborenen Lyriker Johannes Poethen (1928 – 2001) abgeholt, der von 1950 bis 1958 seiner Frau und seiner Tochter in  Hirschau wohnte. Beide hatten wie damals Hesse in Tübingen stolz erste Gedichtbände veröffentlicht und fühlten sich dem ›Dichterhimmel‹ nah. Spartanisch war das Essen der Dichtergelage, »in dem der Salat aus dem Garten häufig als Spinat auftrat, in dem Wurzeln, Sauerampfer, Löwenzahn delikat zubereitet wurden«, aber es gab ein Grundnahrungsmittel, dass nie ausging: »Brot und Rotwein«, schreibt Härtling in seiner Autobiografie ›Leben lernen‹ (2003). Und so ergötzten sich beide an Hölderlins Gedichten und rauchten schwarzen griechischen Tabak. Aus dem Fenster schaute man »auf den grünen, schwungvollen Hang hinauf zur Wurmlinger Kapelle.« Peter Härtling hat über viele württembergische Dichter Romanbiografien verfasst, so zum Beispiel 1976 den Roman ›Hölderlin‹.